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Daseinsvorsorge im digitalen Zeitalter:
Welche Weichen Kommunen heute stellen müssen, um handlungsfähig zu bleiben

Nachlese zum digitalen KGSt®-Infotag

Was ist eigentlich der kommunale Auftrag im digitalen Zeitalter? Das war die Kernfrage beim KGSt®-Infotag zum Thema Daseinsvorsorge am 29. April 2021. Mit rund 40 Teilnehmenden sind Marc Groß, Anika Krellmann und Hendrik Ewens dieser Frage virtuell nachgegangen und den Antworten gemeinsam ein weiteres Stück nähergekommen. Der Infotag begleitet ein aktuelles Projekt der KGSt zu diesem Thema.

 Marc Groß (oben), Anika Krellmann und Hendrik Ewens (unten) Marc Groß (oben), Anika Krellmann und Hendrik Ewens (unten)

"Weg vom Verwalten, hin zum Gestalten", so muss die Devise für Verwaltungen lauten mit Blick auf die großen Veränderungsprozesse im Zuge der digitalen Transformation. "Kommunaler Auftrag" sind zunächst einmal alle Angelegenheiten, die im örtlichen Bereich zu regeln sind. Genau an dieser Stelle führt die zunehmende Digitalisierung der Lebens- und Arbeitsbereiche in der örtlichen Gemeinschaft dazu, dass auch neue Aufgaben in den Blick zu nehmen sind. Die altbekannte Daseinsvorsorge muss im Digitalen neu bzw. ergänzend interpretiert werden.

Unter eine "digitale Daseinsvorsorge" fällt allerdings nicht nur die Gewährleistungsverantwortung für technologische Infrastrukturen wie etwa Breitband oder 5G, eine entscheidende Rolle spielen gerade sozio-kulturelle Infrastrukturen wie Begegnungsräume, Dritte Orte, Maker Spaces oder Labore, die den Menschen die digitale Welt näherbringen, sie verständlich, begreifbar und erlebbar machen.

Das führt dazu, dass "Verwaltung" zunehmend neu gedacht werden muss. Es braucht einen Pioniergeist, der die Kommune die digitale Welt erschließen lässt. Und so befinden sich die kommunalen Aufgaben im Wandel.

Thomas Bönig, IT-Referent und CDO der Landeshauptstadt München, brachte auf den Punkt, warum wir auch das OZG weiterdenken müssen: Für eine echte Digitalisierung sind eben sämtliche Prozesse und Strukturen auf den Kopf zu stellen. Die Umsetzung des OZG reicht hier nicht aus. Da wundere es auch nicht, dass diese kein strategisches Ziel der Münchener Digitalisierung sei, so Thomas Bönig. An dieser Stelle wurden viele Gedanken aus dem KGSt®-Positionspapier zu Anforderungen an das OZG aus kommunalfachlicher und -praktischer Sicht deutlich.

Über das aktuelle Projekt "Innenstadt 2030+ Future Public Space" informierte Claudius Schaufler, Fraunhofer IAO. Sein Werkstattbericht aus der zugehörigen Studie machte deutlich, wie soziokulturelle Infrastrukturen in Zukunft aussehen könnten. Es geht um Begegnung und die intelligente Verbindung von digitalen und physischen Elementen. So werde sich auch der Einzelhandel massiv verändern. Zum Beispiel werde ein Shopping-Erlebnis Onlinehandel und Beratung vor Ort immer mehr "fluid" miteinander verbinden. Die Innenstadt als Begegnungsraum ist dementsprechend neu zu gestalten.

Gunter Czisch, Oberbürgermeister der Stadt Ulm, berichtete "aus dem Maschinenraum eines Utopisten". Die Stadt Ulm gilt als eine der Vorzeigekommunen, wenn es um die Digitalisierung in und mit der örtlichen Gemeinschaft geht. Eindrucksvoll schilderte er den Weg dorthin und es wird klar, die digitale Transformation kann nur aktiv, gemeinsam mit den Menschen und Unternehmen vor Ort gestaltet werden. "Einen wirksamen 'Shortcut' gibt es zwar in gewissen konzeptionellen Fragen", so OB Czisch, aber letztlich müsse jede Kommune örtlich-spezifisch lernen mit Digitalisierung zu gestalten. Dabei sei es wichtig, Erfahrungen zu teilen und in einem engen Austausch zu sein.

Der kommunale Auftrag im digitalen Zeitalter ist also facettenreich. Die KGSt hat dazu unterschiedliche Aktionsfelder herausgearbeitet. Einige davon griffen die Teilnehmenden im Anschluss an die Vorträge in virtuellen Workshops auf. Diese wurden von kommunalen Expertinnen und Experten unterstützt.

Das StadtLABOR Soest stellte Dr. Hanna Hinrichs in einem Pitch vor und diskutierte die praktische Arbeit dort mit den Teilnehmenden. Dabei wurde deutlich, wie wichtig das Experimentieren und Erleben im Zuge der Digitalisierung sind und welche Rolle dabei ein Begegnungsraum wie das StadtLABOR spielen kann – auch zu Corona-Zeiten! Eine einfache Blaupause gibt es dafür nicht: Auch hier kommt es auf das an, was im örtlichen Kontext gebraucht wird.

Henning Lühr führte mit den Teilnehmenden eine Diskussion zur Digitalen Teilhabe in der Vernetzten Kommune. Denn bei der Digitalisierung sind alle – von alt bis jung und insbesondere auch beeinträchtigte Menschen – einzubinden. Echte Teilhabe ist daher essenziell für die Digitale Kommune. Dabei spielen insbesondere die Quartiere eine wichtige Rolle. Sie sind der unmittelbare, ganz lebensnahe Bezug der Menschen zu ihrer Kommune. Hier geht es um Identität, die gerade im Digitalen gebraucht wird. Das Netzwerken funktioniert anders und muss die Elemente physischen und virtuellen Raums geschickt miteinander verbinden.

Zur Bedeutung von Daten zur agilen Steuerung in Kommunen ließ Heiko Willmann einen "Funken überspringen". Im Landkreis Pinneberg lebt er vor, was Kommunen mit Daten bewirken können und präsentierte somit eine der wichtigsten Stellschrauben für die Daseinsvorsorge im digitalen Zeitalter. Das Datenmanagement muss professionalisiert werden, wenn Kommunen Mehrwerte für die örtliche Gemeinschaft generieren wollen.

Es gibt viel zu tun! Sich mehr auf das Gestalten zu fokussieren, sollte ein Ziel in den nächsten Jahren sein. Das althergebrachte "Aufgabenfindungsgebot" scheint so aktuell wie nie: Denn alle Beispiele und Diskussionen zeigten – Digitalisierung wird vor Ort gemacht.

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